Romane

Hochsommer "Als ich dich traf"

Kurzroman

Genre: Gay Romanze

Voraussichtlicher Veröffentlichungstermin Mitte 2018

Inhalt: Der Sommer am Strand, das alte Haus seiner Oma und die schönste Zeit seines Lebens. Henri erinnert sich gerne zurück, gerade wenn ihm die hektische Stadt zu viel wird. Als er das alte Haus erbt, steht er vor der schweren Aufgabe dieses zu verkaufen, doch immerhin kann er so den letzten Sommer am Meer verbringen und sich von allem verabschieden. Schweren Herzens bricht der junge Mann auf, doch als er das Haus betritt macht er eine interessante Entdeckung, es ist nicht ganz verlassen! Ein Mann kümmert sich um den Garten und ist ebenso verwundert wie Henri, als sie sich so plötzlich gegenüberstehen. Die Eindrücke, die alten Erinnerungen und die kühle Meeresbrise wecken Henris Kreativität, die der junge Künstler, in der Stadt verloren geglaubt hatte. Doch Sein Verstand so wie sein Anwalt sagen ihm das er verkaufen muss, auch wenn das Herz etwas anderes will. Doch was eigentlich?

 


Leseprobe

Kapitel 1

Die kühlen Wellen umspülten seine nackten Füße, rissen den kleinen Jungen fast mit sich, ins hellblau schimmernde Meer. Sand klebte ihm zwischen den Zehen und salzige Seeluft wehte ihm durch das kurze, zerzauste, rotblonde Haar. Sein helles lachen war über den ganzen Strand zu vernehmen. Er liebte das Meer, liebte den riesigen Sandkasten, als welchen er den groben Strand immer bezeichnete. Hier und da fand er eine Muschel und steckte diese in einen blauen Plastikeimer, später würde sich schon eine Verwendung dafür finden. Vielleicht als Verzierung für eine Burg oder als Schatz in einer Kiste die er diesen Sommer verstecken wollte. Krabben eilten von einem Versteck zum anderen und gruben sich tief ein, wenn er sich näherte. Kreischende Möwen kreisten am Himmel, immer auf der Suche nach einer Gelegenheit. Henri mochte es, wenn die frechen Vögel ahnungslosen Touristen das Essen abluchsten, ein Schauspiel das ihm in der Stadt nicht geboten wurde.

Generell gab es dort so gut wie keine Ablenkung von den Erwartungen und täglichen Aufgaben. Umso mehr genoss er die Zeit hier am Meer und bei seiner Großmutter Else, die nicht weit entfernt mit zwei Freundinnen saß und angeregt plauderte. Hier konnte der Junge rennen und toben, konnte laut sein, sich bewegen und aus sich herauskommen. Musste nicht den ganzen Tag auf Regeln achten und lästige Pflichten erfüllen.

Keine Nachbarn die sich beschwerten oder bis tief in die Nacht stritten, keine Hausaufgaben, keine lauten Straßen und kein Grau das nur hier und da durch etwas Farbe aufgehellt wurde. Hier konnte er einfach ein Kind sein ohne groß darüber nachzudenken, was er tat. Es war als könne er nur an diesem Ort wirklich zu Atem kommen, um den Alltag abseits der Ferien zu überstehen! Gedanken die kein Achtjähriger haben sollte, doch so fühlte es sich, tief in ihm an. Erst am späten Mittag erhoben sich die drei älteren Damen und suchten ihre wenigen, mitgebrachten Habseligkeiten zusammen. Sie Sonne stand hoch, der Sand flimmerte und Trugbilder ließen auf dem Wasser neue Inseln entstehen, die es gar nicht gab. Die Frauen klopften sich die langen Sommerkleider ab, setzten ihre luftigen Hüte auf. Henri kicherte bei diesem Anblick jedes Mal leise. Sie sahen aus, wie auf einem dieser alten Bilder, welche er schon auf Schulausflügen im Museum gesehen hatte. In der Stadt trug niemand solche Hüte, doch dort erreichte die Sonne auch nur selten den Boden und schien Leuten nicht lange auf den Kopf. Er selbst litt die ersten Tage seines Besuches immer unter Sonnenbrand, war er doch recht blass und zu aufgeregt um sich groß mit Sonnenmilch einschmieren zu lassen.

Henri wollte einfach nur raus, sich bewegen, sehen was sich das Jahr über alles verändert hatte. Meist war dies nicht viel. Dieses Jahr war das Haus des alten Herrn Kuhn aus der Waldgasse neu gestrichen worden. Im Dorfladen gab es neue Eissorten und auf dem kleinen Marktplatz stand eine neue Bank. Bevor sie den Strand verließen zog ihm Else die ledernen Sandalen an, welche er zum Spielen ausgezogen hatte. Sie machten sich auf den kurzen Rückweg zum Haus, das kleine Refugium war Henris liebster Ort in ganz Hüls. Hinter den Dünen führte ein einfacher Pfad zu den ersten Baumreihen hinter denen die Grundstücke der Bewohner begannen. Eines davon gehörte Else, umrundet von einer alten Steinmauer. Nicht diese glatten, verputzen Wände wie es sie in der Stadt gab.

Die Steine sahen alle anders aus, waren unterschiedlich groß, es gab Löcher in denen Tiere lebten und Pflanzen wucherten, überall darauf und dazwischen. Das Haus selbst hatte 2 Etagen, das Backsteinmauerwerk war von außen weiß verputzt und wurde von einem Reetdach gekrönt, welches an den Seiten fast bis zum Boden reichte und Henri oft als Versteck diente. Nach hinten raus gab es einen kleinen Balkon, von welchem aus man das Meer sehen konnte. Darunter war ein Wintergarten angelegt worden, der in den versteckten Garten führte. Hier baute Else Gemüse und Obst an, es roch immer nach Blumen und allerlei Kräutern. Henri war kein großer Esser, was sich jedoch änderte, wenn Else kochte. Hier aß er sogar Fisch und jede Art von Gemüse. Selbst langweilige Möhren schmeckten einfach besser, besonders, wenn sie gerade aus der Erde kamen. Auch diesen Mittag verschlang er begierig was seine Großmutter auf den Tisch brachte. Der Pannfisch war schnell verdrückt, den Rest des Tages verbrachten sie im Garten, kümmerten sich um die Pflanzen. Hier lernte der Junge wie viel Arbeit es war Nahrung anzubauen und wo diese überhaupt herkam. Man musste Unkraut rausreißen, ein Paar davon konnte man sogar essen! Hier und da gab es Hecken zu stutzen und Pflanzen zu bewässern. Am Abend war Henri so erschöpft, dass er den Fernseher und die ganzen technischen Spielereien nicht vermisste, welche er zuhause brauchte um einzuschlafen. Hier tat es auch eine spannende Geschichte von Else, welche immer etwas Neues zu berichten hatte. Welch ein Aufregendes Leben

sie doch geführt hatte! So wollte Henri auch leben, viele Orte bereisen und im Alter ein wunderschönes, kleines Haus besitzen in dem er glücklich war. Umgeben von Menschen die er mochte. Noch einmal wuschelte die alte Frau ihm liebevoll mit der Hand durch den rotblonden Haarschopf, dann löschte sie das Licht und er war auch schon eingeschlafen. Einen neuen Tag voller Abenteuer entgegen fiebernd!

 

***

 

Ein plötzlicher Ruck lies Henri erwachen. Müde blinzelte er gegen das grelle Sonnenlicht an, welches ihm mitten ins Gesicht schien. Schweiß rann ihm über das Gesicht, es war unerträglich heiß und stickig im Zug ... Zug?

Es dauerte einen Moment bis der junge Mann wieder ganz bei sich war, alles nur ein Traum aus der Vergangenheit, ein Gedanke aus besseren Kindertagen? Außer ihm war niemand im Abteil, warum auch. Laut der Umgebung würde er bald die Endstation erreichen. Hüls, war der letzte Halt der Bahnstrecke, wurde nur zweimal am Tag angefahren um einige verirrte Touristen abzuliefern oder einzusammeln. Der kleine Bahnhof war schon von weitem zu sehen, so streckte sich Henri noch einmal, wischte sich das Gesicht mit einem Taschentuch ab und suchte sein Gepäck zusammen. Es fiel dem jungen Mann schwer einen klaren Gedanken zu fassen, tausend Dinge gingen ihm durch den Kopf und verloschen auch gleich wieder. Einst war er so glücklich hier anzukommen, konnte es nicht abwarten bis der Zug stillstand und er auf den alten, steinernen Bahnsteig springen konnte. Heute waren seine Schritte unsicher und bedächtig. Der Anblick der so vertrauten Umgebung versetzte ihm einen Stich ins Herz, ließ ihn schwer seufzen. Es würde das letzte Mal sein, der letzte Besuch in Hüls, die letzte Erinnerung an all das was er hier erlebt hatte. Es war ein Abschied der ihm sichtlich schwer fiel. Den Weg ging er wie in Trance, nahm seine Umgebung kaum wahr. Veränderungen hier und da sah er nicht.

Der Boden flimmerte vor Hitze, die Zunge klebte ihm ab Gaumen. Hin und wieder drang der Laut der Wellen an sein Ohr, zirpten Zikaden und Grillen im hohen Gras. Menschen waren um diese Zeit nicht auf den Straßen, es war selbst hier, dem Meer so nah, zu warm um groß herumzulaufen. Zudem hätte ihn von den Einwohnern sowieso keiner wiedererkannt, sie würden ihn für einen Touristen halten. Die letzten Jahre war Henri nur zu Elses Geburtstag und zum Weihnachtsfest hergekommen. Aus dem frechen Jungen von früher war ein eleganter junger Mann geworden, welcher sich gerade alles andere als wohl in seiner Haut fühlte. Erst gegen Abend würde das Leben nach Hüls zurückkehren, dann würden die Menschen wieder lachend auf die Straßen treten und plaudern. Überall, nur nicht in dem kleinen Haus vor dem Henri nun stand. Dem kleinen Haus, in dem er die schönste Zeit seines Lebens verbracht hatte. Dem Haus, welches nun ihm gehörte! Seufzend nahm er den Schlüssel in die Hand und öffnete die Tür. Seine Sachen ließ er gleich fallen, kaum dass er eingetreten war. Henris Herz war schwer, Trauer nagte noch immer an ihm. Else war fort und mit ihr die Seele dieses Ortes. Tief atmete er ein um nicht gleich los zu weinen wie ein kleines Kind. Die grünen Augen wiesen dieses gefährliche glitzern auf, gegen das er nun anblinzelte. Henri hatte in der vergangenen Zeit genug geweint. So riss er sich zusammen, wischte sich mit dem Handrücken kurz über die Augen und sah sich im Flur um. Dieser lag dunkel und leer vor ihm, alles war wie immer, doch etwas ließ ihn innehalten, es roch nach etwas. Nach einer Art Tee oder Kräutersud, wie Else ihn in den letzten Jahren oft getrunken hatte. War es schon soweit mit ihm, war Henri die Hitze zu Kopf gestiegen? Nein, das bildete er sich nicht ein.

Umgehend setzte er sich in Bewegung, durchschritt den langen Flur, welcher alle Räume des Untergeschosses miteinander verband. Als er die Küche erreichte, stand die Tür zum Wintergarten offen, auf dem kleinen Tisch erblickte er eine Glaskanne, in der irgendwelche Blätter zu ziehen schienen, eine Tasse stand wartend daneben. Das Wasser dampfte still vor sich hin, verbreitete den Geruch im ganzen Haus. Ein unwohles Gefühl machte sich in dem jungen Mann breit. Hatte er doch nicht den einzigen Schlüssel bekommen? Gab es noch einen Erben oder hatte sein Anwalt schon den Weg hierher gefunden und war dabei alles zu klären? Verwirrung gegen die er nur eines tun konnte, rausgehen und nachsehen wer sich hier aufhielt. Mit dem Smartphone in der einen Hand, bereit die Polizei zu rufen, und dem Schlüssel in der Anderen. Leise umging Henri jede quietschende Diele, setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Durch den Wintergarten, welcher durch eine weitere Glastür mit dem schattigen Garten verbunden wurde.

Henri war nervös, obwohl dieses Haus nun seinen Besitz darstellte und er diesen Ort besser kannte als sonst jemand. Leider war er kein sehr mutiger Mann und auch nicht der Stärkste, ganz im Gegenteil. Henris Statur konnte man wohlwollend als zierlich und grazil bezeichnen. Er war ein Künstler der sich nicht viel aus körperlicher, anstrengender Arbeit machte, dazu kam sein nicht so ganz imposantes Körpermaß von 174 Zentimetern. Damit wirkte man nicht gerade furchteinflößend, dessen war er sich mehr als bewusst. Da durfte man sich vor solchen Situationen ja wohl fürchten! Zumindest redete er sich das ein, während er einen Fuß vor den anderen setzte. Der Griff um den alten Schlüsselbund wurde fester, die Anspannung stieg. Er wusste wie lange es dauerte bis die Polizei diesen Ort erreichte. Tatsächlich konnte er eine Gestalt ausmachen, welche vor dem Gemüsebeet kniete und dort mit der Gießkanne hantierte. Henri blieb hinter der fremden Person stehen, welche er nun als männlich identifizierten konnte. Doch bevor er dazu kam das Wort zu ergreifen, stand der Fremde auf und wandte sich zu ihm um. Schreckgeweitete dunkle Augen sahen Henri an und er selbst sah wohl ebenso geschockt aus, beide wichen ein Stück zurück. Sein Herz raste, was sollte er sagen? Dieser peinliche Moment in dem keiner in der Lage war etwas zu sagen. Diese Stelle in Filmen über die er so gerne lachte, das war sie also …

Sein Gegenüber war groß, mit dunkelbraunem, schulterlangen Haaren, die ihm ins Gesicht fielen. Die Farbe der Augen konnte Henri nicht erkennen, zu dunkel bei diesem Licht, die Kleidung weit und eher schlaksig. Oh ja, Henri hatte ein Auge für Männer, binnen von Sekundenbruchteilen checkte er eine Person ab. Das tat er unterbewusst, war immer auf der Suche nach einem passenden Partner. Dieser Mann vor ihm war niemand, der ihm auf der Straße aufgefallen wäre. Sein gegenüber betrachtete Henri ebenfalls, suchte anscheinend nach dem Grund warum dieser auf einmal hier im Garten stand. Doch immerhin fand der Mann als erstes die Sprache wieder.

   „Sie müssen Elses Engel, Henri sein.“ Eine monotone Feststellung, leise gesprochen, gerade laut genug, dass Henri es verstehen konnte. Zumindest zwang es ihn zu einer Antwort, leise räusperte er sich.

   „Und Sie sind? Wie sind sie ins Haus gekommen!“ Der Mann strich sich das Haar mit dem Handrücken aus dem Gesicht, blickte auf Henri herab, als wenn er versuchte das Bild mit irgendwelchen imaginären Informationen abzugleichen.

 

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